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Philippinische Kampfkünste
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Bericht zur Trainerausbildung "Tough Kidz 2021"

Nebel steigt in dem dichter werdenden Wald auf und die Straßen, die sich durch diesen schlängeln, werden immer enger. Nachdem mich hinter einer scharfen Kurve eine Herde Rehe erstaunt anstarrt, fahre ich tatsächlich rechts ran, um zu checken, ob ich den Zielort korrekt ins Navi eingegeben habe - alles stimmt: Hilchenbach.

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Das in Nordrhein-Westfalen gelegene Hilchenbach ist vom 21. bis 24. Oktober der diesjährige Veranstaltungsort für die „Tough Kidz“ – TrainerInnenausbildung, einem Selbstschutzprogramm für Kinder. In meiner beruflichen Laufbahn habe ich verschiedene Anti-Gewalt-Konzepte für Kinder und Jugendliche kennenlernen und ausprobieren dürfen. Die Schwerpunkte lagen hier meist in der Prävention, doch keines hatte wirklich altersgerechte praktische Lösungen im Falle einer körperlichen Auseinandersetzung zu bieten. Dies hatte mich jahrelang von meinem Wunsch abgehalten, eine Trainerausbildung in diesem Bereich zu absolvieren. In der Ausschreibung des Veranstalters, „SC Int’l – Street Combatives“, wird nun eine in sich „geschlossenen Vorgehensweise zur Handhabung von aggressiven oder gewalttätigen Konfrontationen“, orientiert an der realen Problemlage von Kindern und Jugendlichen, versprochen. Dieses Versprechen lässt mich die mehrstündige, etwas abenteuerliche Fahrt mit sehr hohen Erwartungen antreten.

Der erste der vier Ausbildungstage beginnt mit einer Problemanalyse anhand von Videos und der beruflichen Expertise von Jörg, der in diesem Bereich weitreichende berufliche Erfahrung aufzeigen kann und als Trainer gemeinsam mit Sarah das Ausbildungsprogramm anleitet. Hier wird schnell klar, nicht die teils in Selbstverteidigungskursen trainierten Entführungsszenarien und Übergriffe durch Erwachsene stellen den Schwerpunkt von Auseinandersetzungen im Kindesalter dar, sondern vor allem die Konfrontation mit Gleichaltrigen. Hier wird gerangelt, geschimpft, in den Schwitzkasten genommen, Streitende gehen auseinander, um dann gepusht durch Umherstehende wieder aufeinander loszugehen. Das Problemfeld ist theoretisch umrissen, nun wird das Seminar direkt mit praktischen, technischen Lösungsansätzen fortgesetzt.

Wir sind im ringerischen Bereich, welcher auch in den kommenden Tagen die Basis darstellen wird, und so verbringen wir den ersten Tag mit dem Kampf um Kontrollpositionen, Körpermanipulation und Takedowns, Takedowns, Takedowns! Mit vielen PartnerInnenwechseln, zur Abwechslung gibt es Spiele, die ringerische Attribute fördern und eine kurze Mittagspause, die für eine Banane, Kaffee und ein kurzes Gespräch mit den Teilnehmenden reicht, welche allesamt ganz verschiedene und sehr interessante Hintergründe haben. Am Abend bin ich erfreulich körperlich ausgelastet und mein Kopf ist voll von technischem Input. Allerdings kommen mir erste Zweifel – ringerische Körperkontrolle und – manipulation sind sehr anspruchsvoll – wie soll ich dies Kindern beibringen, so dass es wirklich anwendbar ist?

Doch diese Zweifel werden gleich zu Beginn des zweiten Tages zerstreut. Nachdem eine Nacht die Inhalte sacken konnten, läuft vieles wie am Schnürchen: Ich komme, schon fast intuitiv, in gute Positionen und wundere mich, noch während ich meinen Partner werfe, wie ich das denn jetzt eigentlich hinbekommen habe… Der Schwerpunkt der heutigen Einheit stellen Handgelenks- und Umklammerungsbefreiungen dar, die nach isoliertem Techniktraining wieder in die den Tag zuvor erarbeitete ringerische Plattform integriert werden. Die einzelnen Technikstränge verzahnen sich immer weiter, so dass am Ende ein in sich geschlossenes Konzept zu erkennen ist.
Die dritte Ausbildungseinheit beinhaltet Tritte, Schläge und dazugehörige Defensivtechniken, die für die körperliche Auseinandersetzungen im fortschreitenden Jugendalter an Relevanz gewinnen.

Am vierten und somit letzten Tag geht es am Boden weiter – Wechsel zwischen einzelnen Positionen und entsprechende Konter. Auch hier keine leblose Aneinanderreihung von Techniken, sondern ineinanderfließende Abläufe, die sich als immer wiederholende Drills trainieren und in das Gesamtkonzept integrieren lassen.
Den Abschluss dieser letzten Einheit bildet die Lehrprobe, für die die Teilnehmenden die am Vortag erhaltenen didaktischen Aufgaben der Gruppe präsentieren müssen. Alles verläuft zur großen Zufriedenheit der AusbilderInnen Sarah und Jörg, so dass sich letztendlich alle AnwärterInnen über das „Tough Kidz“ – TrainerInnenzertifikat freuen können.

Nach vier trainingsreichen Tagen fahre ich mit einem Konzept nach Hause, das nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen eine solide Trainingsplattform bietet, um anwendbaren Selbstschutz in verschiedenen Distanzen im Stand und am Boden zu trainieren und die je nach Bedarfslage mit weiteren technischen und strategischen Bausteinen erweitert werden kann.
Die Rückfahrt verläuft entspannt durch Sonnen durchflutete, buntgefärbte Wälder, doch dieses Mal ohne Rehe. Und auch der Nebel hat sich endgültig gelichtet.

Text: Steffen Blickle

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